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Filme ohne Riss

HORIZONT 45/2002, 07.11.

Filme ohne Riss

Während die Top-Player im Filmgeschäft kräftig Federn lassen, zeigt sich die Frankfurter Produktion Gehrisch & Krack stabil.

 

Die Frankfurter Werbefilmproduktion Gehrisch & Krack motiviert sich auch bei eher trüben Zukunftsaussichten eisern mit ihrem Leitmotiv: „Kein Medium ist besser in der Lageals der Film, die Sinne des Menschen anzusprechen." Während die Branche versucht, sich mehr oder weniger unbeschadet durch die turbulenten Zeiten zu manövrieren, verzeichnet Gehrisch & Krack stabile Umsätze.

Sogar die beiden Top-Player Markenfilm und Neue Sentimental Film müssen immense Einbußen verzeichnen, und der Frankfurter Kleinbetrieb klettert derweil im Ranking der Werbefilmproduktionen von Platz 25 auf Rang 23. Rainer Gehrisch, Mitglied des Vorstands, Produzent und Regisseur, erklärt: „Für uns war vor allem die gute Nachfrage für Konzepte und Produktionen im Bereich Imagefilm ausschlaggebend." Trotz des konstanten Ergebnisses von 4,3 Millionen Euro Jahresumsatz gehört Gehrisch & Krack nicht zu den absoluten Gewinnern des Geschäftsjahres 2001/02. Mittel- und Kleinbetriebe wie Soup Film und Twin Film konnten ihre Umsätze mehr als verdoppeln.

Auch wenn es Brancheninsider Gehrisch hier nicht wagt einen Trend zu formulieren, weist er auf die Faktoren hin, die seiner Meinung nach den Erfolg in seinem Metier ausmachen: „Neben der Wirtschaftslage bestimmen die individuelle Geschäftspolitik, einzelne Kundenbeziehungen, allgemeine Trends und die Nachfrage nach einzelnen gerade angesagten Regisseuren diesen äußerst volatilen Markt", so der Firmenchef. Auch differenziert er zwischen großen und kleinen Filmproduktionen: Bei kleineren Produktionen könnten ein einzelner Regisseur, einzelne Aufträge und der Gewinn oder Verlust eines einzelnen Kunden enorme Ausschläge beim Umsatz verursachen, erklärt er. Auf eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr will sich Gehrisch für sein Unternehmen nicht festlegen lassen. Er weist auf die enorme Unsicherheit bei Unternehmen und Agenturen hin, die aufgrund zunehmend pessimistischer konjunktureller Aussichten massive Kürzungen im Bereich Kommunikation vornehmen.

Davon nimmt sich auch Gehrisch & Krack nicht aus. Doch haben die Kreativen aus der Frankfurter Löwengasse Strategien entwickelt, mit denen sie hoffen, sich weiterhin am Markt behaupten zu können. Zum einen will man den Regiekader erweitern und neue kostengünstige Produktionswege einschlagen. Zum anderen soll das so genannte „One-Stop-Shopping"-Konzept weiter ausgebaut werden. Gehrisch & Krack will damit ein ganzheitliches Angebot für Kunden aufstellen, das Konzeption, Produktion, Postproduktion und Anwendungen im Bereich Neue Medien vernetzen soll.

Erste Projekte in diesem Rahmen wurden bereits durchgeführt. Im Frühjahr 2001 produzieren die Frankfurter einen Kurzfilm über Mobilfunktechnologien für Siemens Mobile. Später folgt eine 360-Grad-Produktion im Auftrag der Deutschen Bank. Mit einer digitalen Kameratechnologie wird dabei eine Art Film gedreht, der nicht aus einer Serie von mehreren Bildern besteht sondern aus einem einzigen fortlaufenden Bild. Auch will die Produktionsgesellschaft mit verschiedenen Aktivitäten neue Märkte im Bereich Film und TV erschließen. „Zurzeit arbeiten wir mit Autoren und Regisseuren an einer internationalen Dokumentarserie", erläutert Gehrisch. Man könnte meinen, der Unternehmensgründer spricht sich selbst Mut zu, wenn er positiv in die Zukunft blicken will. „Ich bin optimistisch, was den Unternehmenswert angeht und sehe auch bei schwächeren Umsätzen Wertschöpfungspotenziale", will er überzeugen.

 

 

 Zum Standort Rhein-Main bekennt sich der gebürtige Hamburger klar: „Frankfurt hat durch den internationalen Flughafen eine schnelle Verbindung in alle Welt und nicht zuletzt liegt es nun einmal im Herzen der Republik". Der Flughafen müsse international konkurrenzfähig bleiben und dürfe keinesfalls durch allzu kleinliche Einschränkungen in seinem notwendigen Wachstum behindert werden, votiert Gehrisch klar für den Airport-Ausbau. Seine Kaderschmiede ist ein noch relativ junges Unternehmen im Bereich der Werbefilmproduktionen. Sabine und Rainer Gehrisch sowie Thorsten Krack fusionieren 1999 Gehrisch & Krack. Bis dahin waren die beiden Unternehmen Gehrisch Film und das TV-Studio ECG eigenständig. Von ECG wird der Bereich Produktion in die neue Werbefilmproduktion integriert, ECG Mediatransfer bleibt weiterhin als Tochterfirma bestehen.

Der 48-jährige Gehrisch und der 1964 in Frankfurt geborene Krack sind Chefs von 14 Mitarbeitern. Das Unternehmen ist unter anderem in den Feldern Konzeption, Drehbuchentwicklung, Filmproduktion, TV- und Kinospots, Corporate Image, Multiscreen-Projektion sowie Dokumentation tätig. Mit Investitionen in Filmdigitalisierung und Authoring wollen sich die Frankfurter in Bereichen der interaktiven Medien wie Internet, CD-Rom und DVD profilieren. Zu den betreuten Marken und Unternehmen gehören BASF, Deutsche Bank, „FAZ", General Motors, Kraft Jacobs Suchard, Sony Music und Walt Disney.

Vanessa Geuen

 
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