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HD setzt sich in Deutschland nur schleppend durch

VDI nachrichten, 22.10.

Medien: Erfahrungsaustausch auf Frankfurter Fachmesse

 

Während sich die deutsche TV-Branche bei der HD-Technik noch Zeit lässt, drehen Unternehmen bereits Werbefilme auf neuestem Stand. Produzenten, Postproducer und die Werbung haben HD längst entdeckt und beim Frankfurter Festival des Digitalfilms „eDIT/VES 2004" über ihre Erfahrungen berichtet. „Wir wollten den normalen Video-Look vermeiden und etwas Spannenderes machen", so Thorsten Krack von der Frankfurter Filmproduktionsfirma Gehrisch + Krack. Einen großflächigen Werbefilm für die Internationale Automobilausstellung (IAA) 2003 sollten Krack und Team für Mitsubishi drehen. Die Qualitätsanforderungen des japanischen Unternehmens waren allerdings so hoch, dass eine Umsetzung mit Film oder Video nicht in Frage kam.

Die Produktionsfirma entschloss sich Neuland zu betreten und die Auto-Shots mit einer Varicam im High Definition Standard zu drehen - ein Abenteuer. So passten bis zuletzt unterschiedliche Technikkomponenten nicht. Auf der IAA wurden dann letztlich nur kleine Ausschnitte in HD präsentiert, doch Krack hält den Versuch für gelungen. Produktionsvorteile sieht er nicht nur, weil die Formatwünsche gerade für Messen immer ausgefallener werden. Noch überzeugender findet der Produzent HD für „Slow-motion"-Effekte. Nun plant das Unternehmen weitere HD-Projekte.

Während die Werbebranche erste Erfahrungen mit der neuen Digitaltechnik sammelt, setzen freie Filmproduzenten schon lange „auf die HD-Karte". 16 000 Minuten Rohmaterial hat der Gründer von Broadview TV, Leopold Hoesch, für seinen Dreiteiler „Stalingrad" gedreht. Für Hoesch bedeutet dies in der nationalen Filmszene ein Alleinstellungsmerkmal, international aber die einzige Chance, etwa nach Japan oder den US-Markt vorzudringen. Nach klaren Kriterien für die Frage High oder Standard Definition geht Leipziger Dokumentarspezialist Ottonia Media vor. Soll der Film international vermarktet oder in Deutschland langfristig ausgewertet werden, oder handelt es sich um eine Koproduktion? „HD", so Geschäftsführerin Susanne Dönitz, „ist für uns Normalität". Seit 1999 arbeitet Ottonia Media mit der neuen Technik. Nach Pioniererfahrungen verfügt das Unternehmen über 30 HD-Produktionen und kann den gesamten HD-Produktionsweg im eigenen Haus umzusetzen. Im nichtfiktionalen Bereich, glaubt Dönitz, bietet HD völlig neue Filmprodukte und ist damit eine lohnende Investition. Umso weniger verständlich findet es die Ottonia-Chefin, dass in Deutschland der Schulterschluss zwischen TV-Sendern, Verbrauchern und Industrie fehlt".

Mit dem Vorpreschen von Premiere, das ab November 2005 HDTV- Kanäle für Sport-,Film- und Dokumentationen anbieten will, erhofft sich Dönitz eine „Provokation" für andere TV-Anstalten. „Wenn wir es senden, wer soll es denn sehen?", entgegnet ZDF-Sprecher Walter Kehr gelassen. Nach Überzeugung seines Senders ist die Marktdurchdringung für High Definition in Deutschland derzeit nicht da. So beschränkt sich die HD-Anwendung im Zweiten auf einige wenige »Prestigeobjekte", die Chancen haben, international verkauft zu werden. »Aber wir sind technisch in der Lage jederzeit umzurüsten, wenn der Markt es verlangt.

JUTTA WITTE

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