Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.
Initiative von Polizei und Stadt / Firmen verzichten auf Geld
Mit einem 45 Sekunden langen Werbefilm in Frankfurter Kinos soll die von Stadt und Polizei initiierte Kampagne „Gewalt-Sehen-Helfen" in den nächsten Wochen verstärkt werden. Der von der Frankfurter Agentur Logo GmbH erdachte und von der ebenfalls in Frankfurt ansässigen Gehrisch Film Produktions GmbH realisierte Spot zeigt mit Hilfe von Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielsteinen, wie wichtig es ist, den Opfern von Gewalttätern zur Hilfe zu kommen. „Wenn wir uns gegenseitig beistehen, wird die Gewalt alleine dastehen", lautet das Fazit des Streifens, der in den nächsten sechs Wochen in den Kinos von Liselotte Jäger (den sogenannten E-Kinos), im Kinopolis am Main-Taunus-Zentrum und im Höchster Lichtspieltheater Valentin gezeigt wird.
Produktion und Präsentation des Films kosten Stadt und Polizei keinen Pfennig. Der mit einer computergesteuerten Kamera hergestellte Spot hätte nach Auskunft von Polizeipräsident Harald Weiss-Bollandt rund 100 000 Mark gekostet, die Gebühren für die Vorführung in den Kinos hätten sich zudem auf eine fünfstellige Summe belaufen. Nur weil sowohl die Produktionsgesellschaft als auch die Werbeagentur und die Kinobetreiber auf eine Bezahlung verzichtet hätten, sei die Werbeaktion überhaupt möglich geworden. Mit dem kurzen Film werde man hoffentlich vor allem die spezielle Zielgruppe der Kampagne, die Zehn- bis Sechzehnjährigen, erreichen können, äußerte Weiss-Bollandt. Diese seien nämlich besonders häufig Opfer von Angriffen, zumeist von Attacken Gleichaltriger. „Gewalt-Sehen-Helfen" ist 1997 von der Stadt Frankfurt und der Polizei vor allem ins Leben gerufen worden, um der zunehmenden Brutalität an Schulen und unter Jugendlichen zu begegnen.
Ziel der Kampagne ist es, Jugendliche und Erwachsene zu mehr Zivilcourage zu bewegen, wenn es zu Gewalttätigkeiten kommt. Dazu müsse man in den wenigsten Fällen sein Leben in Gefahr bringen, sagte Weiss-Bollandt. Meist genüge es, zum Telefonhörer oder zum Handy zu greifen, die Polizei anzurufen und präzise Angaben über die Tat, den Tatort und das Aussehen der Täter zu machen. Leider, sagte Weiss-Bollandt, seien aber viele Menschen noch nicht einmal zu diesem Mindestmaß an Zivilcourage und Engagement bereit. Er berichtete von einem Überfall an der Konstablerwache, bei dem einem Mann am Donnerstag vergangener Woche 650 Mark geraubt worden seien. Die beiden Täter hätten ihr Opfer am hellen Tag - kurz vor 18 Uhr - und vor den Augen zahlreicher Passanten mit einem Messer bedroht. „Aber wieder mal hielt es niemand für nötig, in irgendeiner Form zu helfen oder zu reagieren", sagte der Polizeichef bedauernd.
Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) übergab Weiss-Bollandt 90 Armbanduhren mit dem Emblem der Präventionskampagne. Sie sollen in den nächsten Wochen an Zeugen weitergegeben werden, die bei Straftaten nicht angestrengt zur Seite sehen, sondern aktiv werden. „Ich würde mich freuen, wenn die Uhren bis Ende des Jahres weg wären", sagte der Polizeipräsident.







