Märkische Allgemeine Potsdam (Ausgabe Brandenburg)
, 21.02.
HFF-Student Carsten Fiebeler erhielt Kurzfilmpreis auf der Berlinale
Ein dunkles Verließ. In zwei
Reihen stehen spärlich bekleidete Sklaven und halten
lange Eisenketten, die in
eine Mauer eingelassen sind.
Auf ein Kommando fangen
alle an zu ziehen, Muskeln
schwellen an, Schweißtropfen erscheinen auf den Stirnen - dann reißt plötzlich das
Mauerwerk auf: „Der
Durchbruch" steht groß auf
der Leinwand des Berliner
Kinos International. Ein
Werbespot für Studio Babelsberg und die Hochschule
für Film und Femsehen
„Konrad Wolf" (HFF).
Eine symbolträchtige Arbeit des HFF-Studenten Carsten Fiebeler. Mit einer Portion Selbstironie hatte er die
Hochschulreklame inszeniert
- nun scheint für den Regiestudenten vom Prenzlauer
Berg dieser Durchbruch gar
nicht mehr so fiktiv. Sein
Film „Straßensperre" wurde
jetzt auf der Berlinale mit
dem Panorama-Kurzfilmpreis ausgezeichnet. Das
kurze Lehrstück über das
Geschäftemachen in Rußland, die Mafia und deutsche
Borniertheit war der Jury
eine Auszeichnung wert,
wirft es doch ein Schlaglicht
auf eine moderne Form des
kulturellen Konflikts: Auf einer nächtlichen Landstraße
werden drei Deutsche und
ihr Dolmetscher von der russischen Miliz angehalten.
Russische Korruption trifft
auf deutsche Sturheit - die
Katastrophe, in einer Balance zwischen Groteske und
Gewalt inszeniert, scheint
unvermeidlich. Bis das Auftreten des Mafia Bosses,
oberster Gangster und Retter zugleich, die Situation
entschärft. Auf russische
Art, versteht sich.
Damit sei er nicht nur auf
Zustimmung gestoßen, erzählt der 33jährige Filmemacher. „Man hat mir vorgeworfen, ich würde die Klischees vom bösen Russen bedienen", sagt er und schüttelt
den Kopf. Dabei gehe es in
erster Linie nicht um kriminelle Machenschaften, sondern um kulturelle Differenz. Darum, wie Menschen
ihre erlernten Muster anwenden und wann sie damit
scheitern.
Ein Dreivierteljahr hat Fiebeler an dem 17-Minuten-Film gearbeitet. Mit Hilfe
der Frankfurter Gehrisch
Film, einer Werbefilmgesellschaft, und der Ufa-Producerin Laila Stieler konnte er
den Abschlußfilm seines
zweiten Studienjahres realisieren. Der Rest war Glück,
wie er meint: Unter rund 700 Einsendungen für die Berlinale wurde sein Film zusammen mit 24 anderen für die Panorama-Kurzfilmreihe
ausgewählt. Auch daß er als
Vorfilm zu Romuald Karmakars Beitrag „Das Frankfurter Kreuz" gezeigt wurde,
war Glück. „Das hat natürlich viele Leute gezogen",
meint Fiebeler. Kein schlechtes Gefühl, auf der Bühne
des ausverkauften Atelier-
Kinos am Zoo zu stehen und
den Beifall zu hören. „Man kriegt danach schon erstaunliche Anfragen", stellt Fiebeler fest. Mehr verrät er jedoch nicht, aus Aberglauben, wie er sagt.
Neue Projekte sind sowieso schon in Arbeit. Zur Zeit
schneidet er einen 40minütigen Film, der vom Billard -
Spiel handelt. Und auch einen Spot für die nächsten
,,Sehsüchte" wird er drehen.
Überhaupt ist Fiebeler, der
gelernter Autoschlosser ist
und vorher Theaterwissenschaft studiert hat, sehr rührig. 15 Projekte, vom Werbe-
bis zum Dokumentarfilm,
hat er bislang realisiert.
Wenn er in einem Jahr seine
Abschlußarbeit macht, soll
es ein Speilfilm in der üblichen 90-Minuten Länge werden. Über welches Thema
behält er noch für sich.







