Horizont, 03.05.
Die vor gut zwei Jahren gegründete Gehrisch Film, Frankfurt, arbeitet mit acht festen Mitarbeiter für Kunden wie Strothmann, Herforder, Mercedes und Hyundai
HORIZONTSERIE
frankfurt. Gehrisch Film gehört mit ihren neun Mitarbeiter noch zu den jungen und ambitionierten Produktionen. Jüngster Coup: Gehrisch Film drehte den Hyundai-Spot mit den Pinguinen. "Unsere jüngste Arbeit hat mir tierisch viel Spaß gemacht", lacht Rainer Gehrisch. Inhaber der Frankfurter Produktion Gehrisch. Das glaubt man ihm aufs Wort. Denn der Spot ..Heiß begehrt", den Gehrisch für den koreanischen Automobilkunden Hyundai (Agentur: Wensauer & Partner, Ludwigsburg) gedreht hat, ist alles andere als menschlich. Pinguine spielen die Hauptrolle in dem Film, der für Klimaanlagen in Hyundai-Wagen wirbt. Der Dreh sei eine große Herausforderung für die noch junge Produktion gewesen. Während anfangs (fast) alle Beteiligten mit Pappkameraden drehen wollten, brachen Gehrisch und Regisseur Jürgen Bollmeyer letztlich doch eine Lanze für die lebendigen Frackträger. Auch wenn drei dieser niedlichen Gattung für zwei Drehtage die Gagen-Kleinigkeit von etwa 70000 Mark kosten.
Der Dreh selbst war recht koinpliziert". erzählt Gehrisch. Zumal man Pinguine nicht richtig dressieren kann, sie wenig Geduld haben, schnell schwitzen und dann unleidlich werden. Gedreht wurden die Pingum-Szenen vor einem Blue-screen in London. Die Straßenszenen entstanden während eines Drei-Tage-Drehs in München. Am Ende wurden in der Postproduction die Bilder zusammen-
gefügt - das Wunderwerk des Klonens. Anhand dieses Films läßt sich die Firmenphilosophie von Gehrisch Film darstellen: das Ungewöhnliche angehen. Gehrisch Film nimmt für sich in einer Welt, in der es Tausende von qualifizierten Filmproduktionen gibt, nicht in Anspruch, immer besser als andere zu sein.
Das Hauptaugenmerk liegt statt dessen auf der Auswahl der an einem Projekt beteiligten Personen und Firmen. „Ein Netzwerk an Wissen" bereit zu halten, nennt es Gehrisch und meint damit, das beste Wissen zu einem Thema oder die besten Ressourcen für ein Projekt zu besitzen: Regisseure, Locations, Studio, Schnitt, 3D-Animation. Bevor Rainer Gehrisch in die Werbefilmproduktion eingestiegen ist, konnte der Kameramann, Producer und Regisseur viele Jahre lang Erfahrungen als Produzent von Industriefilmen sammeln. Zuletzt war er bei Cineteam in
Frankfurt. Inzwischen ist das Verhältnis zwischen der Produktion von Industrie- und Werbefilme etwa halbe-halbe. Gehrischs erster richtiger Werbefilm in der eigenen Firma, die er im November 1995 mit Frau Sabine gegründet hat, ist der fast schon kultige und selbstfinanzierte Spot „Renne lasse" für die Frankfurter Eintracht.
Regie führte bei dem Schwarzweiß-Epos, das im Stadion und in Kinos eingesetzt wird, Mathias Stalten.
Unterstützt wurde das Projekt, das die Abkehr vom Diva-Image markieren sollte, von der Frankfurter Agentur Wilkens. Weitere Arbeiten folgten. Zum Beispiel zwei Filme für die Frankfurter Agentur DSB&K. Zum einen produzierte Gehrisch Film „Herrliches Herforder" (Regie: Serge Roman) für Herforder Pils, zum anderen die Harry & Sally-Kopie„ Orgasmousse" (Regie: Geoffrey Seymour) für Strothmann. Auf eher hohem ästhetischen Niveau kommt die Filmserie „Les Instants du Mouvcment" (Regie: Gillian Barnes) daher, den Gehrisch Film für ein Event der Mercedes-Benz AG produzieren durfte. Das Thema war: Darstellung von Bewegung. Insgesamt vertritt Gehrisch Film rund zwanzig nationale und internationale Regisseure. Auffällig ist, daß etliche aus dem östlichen Europa kommen.
Die Gründe hierfür sind einfach: „In, Osten findet man gute Nachwuchsregisseure und Produktionsressourcen die kosteneffizient sind", erklärt Silke Mühl, die sich seit November 1997 bei Gehrisch Film ums Neugeschäft kümmert. Doch nicht nur darum. Ihr Faible ist die Nachwuchsförderung. Sie grast Filmhochschulen ab, um neue Talente zu entdecken. Leute, die ambitioniert sind. „Leute, die unverbraucht sind", sagt sie. Leute, mit denen Gehrisch Film vielleicht eines Tages mal einen großen Film drehen wird. Bis dahin heißt es: Film ab mit den erprobten Regisseuren.
Joachim Thomas







