Darmstädter Echo
, 06.09.
„Renne lasse" heißt ein Kinospot über den Frankfurter Fußball-Zweitligisten
Spätestens seit dem vergangenen Sonntag ist die neue Fußball-Begeisterung für die Frankfurter Eintracht zu spüren. Beim 4:1-Erfolg über den 1. FC Nürnberg jubelten 45 000 Zuschauer dem verlustpunktfreien Tabellenführer der Zweiten Bundesliga zu. Am Montag wurde von der Frankfurter Gehrisch Film Produktions GmbH ein TV- und Kino-Spot über die Adler träger vorgestellt.
Der Ort der Aufführung war jedoch keineswegs mit der aktuellen Eintracht-Begeisterung zu vergleichen. Im Stadtteil Bornheim, in einem Hinterhof in der Löwengasse, zeigte Produzent Rainer Gehrisch mit seinen Mitarbeitern auf einer Präsentation den TV-/Kino-Spot „Renne
Lasse". Die Idee entstand im Frühjahr 1997, als der jetzige Spitzenreiter der Zweiten Bundesliga noch am Abgrund zur Drittklassigkeit stand. Vater der Idee war der Frankfurter Fotograf Mathias Stalter. Die Werbeagentur FCB Foote, Cone & Belding (ehemals Wükens, Frankfurt) übernahm die Schirmherrschaft. Die Gehrisch Film GmbH entschied sich spontan, den Spot zu produzieren und den Löwenanteil der Herstellungskosten zu übernehmen.
"Ausschlaggebend für unser Engagement war der Reiz, ein interessantes Projekt, bei dem Story und Background stimmen, eigeninitiativ und kreativ durchzuführen. Dazu wollten wir ein Thema aufgreifen, das viele Menschen - vor allem in der Frankfurter Region - beschäftigt", erklärt Rainer Gehrisch. An vier Trainingstagen wurde auf 16 Millimeter gedreht, Beginn war im März. Eintracht-Coach Horst Ehrmanntraut unterstützte während der Trainingseinheiten tatkräftig das Vorhaben, so daß schließlich die Szenen mit fast allen Spielern im Kasten waren. Wegen des Personalwechsels mußte im Juli nochmals gedreht werden. "Wir hatten eine tolle Szene mit Mauri dabei, aber die mußten wir nun leider rausnehmen", bedauert Gehrisch den Vereinswechsel von Maurizio Gaudino. Der Film zeigt die Spieler in ihrem täglichen Umfeld des harten, kompromißlosen Trainings und läßt gleichzeitig den inneren Schweinehund zu Wort kommen, so der Produzent. Der Film endet mit einem Kommentar eines kritischen, hartgesottenen Fans, das während der Dreharbeiten am Spielfeld-
rand aufgeschnappt wurde: „Ich dät die renne lasse." In dem 45 Sekunden dauernden Spot sind Sascha Amstätter, Uwe Bindewaid, Oliver Bunzenthal, Urs Güntensberger, Olaf Jansen, Alexander Kutschera, Oka Nikolov, Thomas Sobotzik, Ralf Weber und Dirk Wolf zu sehen.
In den nächsten zwei Wochen ist der Film im Sulzbacher "Kinopolis" zu sehen. Dazu hofft Rainer Gehrisch, daß einige TV- Sender den Spot zeigen. Der startet mit Sascha Amstätters Worten: „Ich brauchte 18 Jahre bis hierher, aber alles, was zählt, sind die nächsten 90 Minuten."
Der Eintracht-Geist wird dokumentiert durch Ralf Weber, der die Tribünen des Riederwald-Stadions hoch- und runterläuft mit den Worten: „Es ist ein Scheißgefühl, wenn du merkst, dein schwerster Gegner bist zu selbst." Der Film endet mit dem unter der Dusche stehenden Alexander Kutschera und dem eingeblen-
deten Slogan: .Unterstützt die Eintracht jetzt!" Dazu kommt der am Anfang erwähnte Spruch: „Ich dät die renne lasse, aals renne lasse."
Die neue Fußball-Begeisterung in Frankfurt ist auch erkennbar auf der Fahrt zum Sportgelände Riederwald: An zahlreichen Wohnhausern hängen die Fahnen der Eintracht aus den Fenstern. In der Fan-Boutique des Spitzenreiters der Zweiten Bundesliga herrscht großer Andrang nach Fan Artikeln. Die größte Nachfrage richtet sich jedoch auf Karten für das Pokalspiel gegen den SV Werder Bremen am 23, September. "Wir rechnen mit mindestens 50 000 Zuschauern", sagt eine Angestellte. Auf die Frage warum ein Kunde eine Karte für das Pokalspiel erwirbt, außert ein „Adler"-Fan "Wir schlagen Werder und hoffen in der nächsten Runde auf die Bayern. Aufsteigen tun wir sowieso."
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